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01.03.2017

Seit der Geburtsstunde: 112 Jahre Segeltradition ohne viel Federlesen

Ziemlich genau 21 Jahre „älter“ als die WARNEMÜNDER WOCHE selbst, ist einer der aktiv unterstützenden Vereine, welcher sich in 2017 auf den Bahnen des Laser Europa Cups engagieren wird: der Rostocker Yachtclub e.V. (ROYC). Das Regattateam des ROYC auf den Laser-Bahnen wird aus Jörn Borowski und Egbert Swensson mit ihren Helfern bestehen.

Rostocker Yachtclub mit "Qualität an Bord"

Das ROYC-Wettfahrtleiterteam in Action bei der WARNEMÜNDER WOCHE

© privat
Am 19. April 1905 wurde der „Rostocker Yachtclub“ von Kapitänen und Kaufleuten gegründet und die ersten Liegeplätze für drei Boote wurden im Christinenhafen gefunden. Der Verein blühte auf und bereits drei Jahre später wagte man sich an die Organisation einer „Offenen Segelwettfahrt“ für alle im DSV oder gleichwertigen außerdeutschen Verbänden anerkannten Yachten. Im Jahr 1919 konnte die ehemalige Huthsche Badeanstalt in Rostock-Gehlsdorf erworben werden und die Mitglieder brachten 40.000 RM für Grundstück und Steganlagen auf. 1924 wurde dann das prächtige Clubhaus an der Warnow errichtet. Ein weiteres Ereignis mit Langzeitwirkung sticht heraus: die Organisation der 1. WARNEMÜNDER WOCHE 1926. Im Programm stehen die Veranstalter wie folgt aufgelistet: „Rostocker Yacht-Club, Großherzoglicher Mecklenburgischer Yachtclub, Kaiserlicher Yacht-Club, Warnemünder Segelclub und Akademischer Segelverein zu Rostock“.

Die 1930er Jahre wurden dann von der Machtübernahme der NSDAP und der Gleichschaltung der Sportvereine unter dem Reichssportführer geprägt. 1939 beschloss der Rostocker Yachtclub sich auzulösen und in den Yachtclub von Deutschland, Zweigabteilung Mecklenburg aufzugehen. Dieser war zwei Jahre zuvor aus dem aufgelösten Großherzoglichen Mecklenburgischen Yachtclub entstanden.

Geänderte Ansprüche, gleichbleibende Unterstützung

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ROYC

Am Kriegsende war der Bootsbestand größtenteils vernichtet und das Bootshaus abgebrannt. Im Clubhaus wurde ein Kinderheim eingerichtet und die Anlagen als NS-Vermögen eingezogen. Das Segeln kam in der Folge nur zögerlich über die FDJ bzw. Betriebssportgemeinschaften in Gang. 1955 gilt als Beginn des leistungsorientierten Segelns mit dem SC Empor am Standort Rostock-Gehlsdorf. Die spannende Geschichte des SC Empor und die eines Leistungszentrums des Segelsports in der DDR wurde in der Clubchronik nacherzählt.

Nur so viel: die erste internationale Medaille gewann Walter Gärtner bei den Europameisterschaften 1961 in der Finn-Dinghy Klasse. Es folgten die ersten Olympischen Medaillen in der Drachen-Klasse 1964 in Enoshima (Japan) mit Peter Ahrendt, Ulrich Mense und Wilfried Lorenz, 1968 in Acapulco (Mexico) mit Paul Borowski, Karl-Heinz Thun und Konrad Weichert und noch mal dieselbe Mannschaft 1972 in Kiel. Olympisches Silber gewannen Jörn Borowski und Egbert Swensson in der 470er Klasse 1980 in Tallinn. Mit Europa- und Weltmeisterschaften kamen bis 1989 insgesamt zwei Dutzend Medaillen zusammen. Das Leistungszentrum mit klarem sportpolitischen Auftrag und großem technischen Stab lässt sich allerdings nicht mit dem heutigen Segelverein vergleichen.

Die Wende brachte den hoffentlich letzten Bruch in der Entwicklung des ROYC. Es galt, den Übergang von einem staatlich geförderten Leistungszentrum zu einem Sportverein auf der Basis von Freiwilligkeit und Ehrenamt zu vollziehen und gleichzeitig die Ziele auf den Breitensport zu erweitern. Am 15. April 1990, also vor fast 27 Jahren, wurde der Rostocker Yachtclub wieder gründet. Neben Mitgliedern des ehemaligen SC Empor und einigen Leistungsträgern des aufgelösten ASK Vorwärts Rostock, haben auch viele Fahrtensegler den Weg zum ROYC gefunden.

Die hohen, ausschließlich leistungsorientierten Ziele ließen sich nicht aufrechterhalten. Heute ist der ROYC ein „normaler“ Segelverein, dennoch gespickt mit sportlichen Ambitionen. So wurden auch nach 1990 bis ins letzte Jahr (u.a. 1. Platz bei der IDM der 505er durch Frank Feller und Lutz Stengel auf der WARNEMÜNDER WOCHE 2016) hinein mehrere erste und viele Podiumsplätze in den Bootsklassen 420er, 470er, 505er, FD, Finn, Drachen, OK, Laser R (U17, U19), Soling und Surfen bei WM, EM, IDM, IDJM oder DM erreicht.

Der Verein organisiert auch große und internationale Regatten, wie die EM/WMA der Optis mit Unterstützung des Warnemünder Segel-Clubs (WSC). Eine große Herausforderung ist jedes Mal die Ausrichtung von anspruchsvollen Wettfahrten verschiedener Bootsklassen zur WARNEMÜNDER WOCHE im Team des WSC. Hier wird auf die lange Erfahrung der ehrenamtlichen Mitglieder, die auch immer einen Teil ihres Jahresurlaubes für die wöchentliche Veranstaltung nehmen, gebaut.

Die ehrenamtlichen Mitglieder der Wettfahrtleitung bzw. Helfer, einige seien hier genannt, sind Egbert Swensson, Jörn, Bodo und Kirsten Borowski, Jens Weber, Uwe Ochmann, Sven Heilmann, Dittmar Möller, Gisbert Knorr, Roland Semkat, Laurent Scheel, Heinrich Hoder, Harry Kaltschmidt und Dorle Hannecke. Der Rostocker Yachtclub hat derzeit 260 Mitglieder und verfügt über 130 Wasserliegeplätze und plant in diesem Jahr den Ersatzneubau einer größeren Bootshalle. Sowohl die sportlichen Erfolge als auch der Aufbau bzw. die Erhaltung der Infrastruktur funktionieren natürlich nur mit erheblichem Engagement vieler Mitglieder, Eltern, Ehrenamtler, Spender und Sponsoren. Allen sei auf auch auf diesem Wege noch einmal herzlich gedankt. (Serge von Weber, 1. Vorsitzender)

 

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